26.03.2007
Offener Brief als Antwort auf den Gastkommentar in der OZ vom 24.03.07
Greifswald, 24.03.07
Sehr geehrter Herr Liedtke,
bitte wachen Sie auf: Es ist nicht mehr fünf Minuten vor zwölf, sondern bereits 10 Minuten später! Bezogen auf die durch den Menschen verursachten Klimaveränderungen läuft uns die Zeit davon. Der am 2. Februar 2007 vorgelegte Bericht des UN-Klimakonvents, der auch Ihnen bekannt sein sollte, lässt daran keinen Zweifel. Die drastischen Auswirkungen des Klimawandels sind allgegenwärtig. Fünf der letzten sechs Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Temperaturmessung. Auch die Sturmserie, die zu Beginn diesen Jahres über Norddeutschland hinwegtobte, machte deutlich, dass der Klimawandel auch in Mecklenburg-Vorpommern angekommen ist. Schuld daran sind auch die Kohlekraftwerke, die 80% (!) der aus der Stromerzeugung resultierenden C02-Emissionen ausmachen.
Wären Sie, wie der Bürgerschaftspräsident unser Universitäts- und Hansestadt Greifswald und wie der Bürgermeister von Lubmin, bei der Veranstaltung der Grünen Bundestagsfraktion unter dem Titel: Stromlücke Brauchen wir mehr Kohle- und Atomkraftwerke? an vergangenem Freitag gewesen, bräuchten sie auch nicht den Gegnern des Steinkohlekraftwerks Alternativlosigkeit vorzuwerfen.
Bitte informieren Sie sich richtig, der Aktionsplan Klimaschutz der Landesregierung bietet dazu genügend Material: Bereits 2004 hatten die regenerativen Energien in Mecklenburg-Vorpommern einen Anteil von 31 % an der Nettostromerzeugung, 7 % mehr als im Vorjahr und das zum CO2-Nulltarif. Die Tendenz ist weiter steigend.
Das Steinkohlekraftwerk hingegen, das noch einmal so viel Kohlendioxid produziert, wie bisher die Bereiche Energieerzeugung und Verkehr in Mecklenburg-Vorpommern zusammen, verhindert diese Tendenz. Wie Herr Schön von der Investorengruppe des geplanten Lubminer Steinkohlekraftwerks auf Nachfrage bei der Podiumsdiskussion mitteilte, betreibt Dong energy selbst in Dänemark kein Kohlekraftwerk dieser Grö�e. Warum sollten wir in Mecklenburg-Vorpommern eines brauchen?
Und noch ein letzter Satz zu den Arbeitsplätzen, bereits heute arbeiten in den Bereichen der Erneuerbaren Energien mehr Menschen als in Bereichen der Steinkohle- und Atomenergie zusammen. Und dort liegt auch die Zukunft unseres Bundeslandes, das aufgrund seiner geografischen Lage und seiner Struktur, so viele Ressourcen an Erneuerbaren Energien hat, um ein Vorreiter auf diesem Gebiet zu sein.
Mit freundlichen Grü�en, Ulrike Berger
(Landesvorstandssprecherin BÃ?NDNIS 90/DIE GRÃ?NEN Mecklenburg-Vorpommern)
BÃ?NDNIS 90/DIE GRÃ?NEN
Kreisverband Greifswald-Peeneland
Kreisvorstand
Markt 25
17489 Greifswald
Tel./Fax: 03834-83 00 35 [ab 18.00 Uhr]
stefanamdeich@web.de
www.gruene-greifswald.de





