04.12.2007
Veraltete Technik für Kraftwerk in Lubmin: Geplantes Steinkohlekraftwerk wäre in Dänemark nicht mehr genehmigungsfähig
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Greifswald rufen die Bürger auf, Einspruch bis zum 6. Dezember zu erheben
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Greifswald-Peeneland rufen alle Bürgerinnen und Bürger Greifswalds und Ostvorpommerns, die die Sorge um die Zukunft unserer Region teilen, auf, Einspruch gegen das geplante Steinkohlekraftwerk in Lubmin zu erheben.
Einwendungen kann jeder erheben, egal wo man wohnt! Sie müssen bis zum 6. Dezember beim StAUN Stralsund per Brief oder Fax eingehen. Zwei örtliche Bürgerinitiativen koordinieren gemeinsam mit WWF, BUND und Naturschutzbund und anderen die Einwendungen und haben einen Mustertext entworfen. Dieser kann abgerufen werden unter: www.wir-klimaretter.de/images/lubmin_einwendung.doc.
Viele Gründen sprechen gegen das Steinkohlekraftwerke in Lubmin, erklärt Chris Labouvie, Mitglied des Kreisvorstandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Greifswald-Peeneland:
"Derzeit planen die Energieversorger bundesweit mehr als 20 neue Kohlekraftwerke. Diese Anlagen sind die klimaschädlichste Art Elektrizität zu erzeugen. Selbst wenn sie die modernste, heute verfügbare Technik erhalten, wird bei der Kohleverstromung pro erzeugter Kilowattstunde mehr Kohlendioxid ausgestoßen als bei jedem anderen Energieträger. Die deutschen Klimaschutzziele sind nicht zu erreichen sind, wenn die Pläne der Energiekonzerne Wirklichkeit werden.
Das geplante Steinkohlekraftwerk in Lubmin, 20 Kilometer östlich von Greifswald, gehört mit einer Kapazität von 1.600 Megawatt zu den größten der bundesweit geplanten neuen Kohlekraftwerke. Nach Angaben des Investors, der dänischen DONG Energy, wird es pro Jahr 6,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen.
Ein Steinkohlekraftwerk in Lubmin würde den Ausbau der klimaschonenden Windenergie behindern, denn die derzeit in der Ostsee geplanten Offshore-Windparks sollen ihren Strom genau in Lubmin ins Hochspannungsnetz einspeisen, wenn dort aber zuvor das Kohlekraftwerk entsteht, reicht die Kapazität nicht mehr aus oder müsste erst teuer und zeitraubend erweitert werden.
Der Wirkungsgrad des Kraftwerks wird nur bei ca. 45 Prozent liegen, mehr als die Hälfte der verfeuerten Kohle (die aus Australien oder Südafrika kommen werden soll) verpufft also ungenutzt. Als Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (KWK-Anlage), die neben Strom auch Heizenergie erzeugt, kann das Kraftwerk nicht ausgelegt werden, weil im dünnbesiedelten Vorpommern schlicht die Abnehmer fehlen. Stattdessen wird mit dem Kühlwasser der Greifswalder Bodden aufgeheizt, die Folgen für das Ökosystem sind unkalkulierbar. In Dänemark bekäme DONG Energy übrigens ein Kraftwerk ohne KWK seit 15 Jahren nicht mehr genehmigt!
Anders als von der Kohlelobby gern behauptet, wird das neue Lubminer Projekt kein altes Kohlekraftwerk ersetzen. Denn DONG Energy betreibt bisher in Deutschland keine Anlage, die im Gegenzug abgeschaltet werden könnte. Die Millionen Tonnen aus Lubmin wären also zusätzliches Kohlendioxid in der Atmosphäre.
In Mecklenburg-Vorpommern besteht kein Bedarf für den Kohlestrom, das Land produziert schon heute mehr Elektrizität als es verbraucht. Die Umweltschadstoffe des Kraftwerks, neben Kohlendioxid wird die Anlage trotz "moderner Filtertechnik" beispielsweise Schwefel- und Stickoxide, Staub, Quecksilber, Arsen, Cadmium und Blei ausstoßen, belasten die lokale Umwelt, etliche Seebäder im Umkreis bangen um ihr Tourismusgeschäft. Der geplante Standort liegt direkt an einem Naturschutzgebiet und einem europäischen FFH- und Vogelschutzgebiet.





